Am Montagabend, den 23. Februar, fand die von den beiden Verbandsgemeinden Wirges und Selters für ihre Ortsgemeinden Leuterod, Helferskirchen, Vielbach und Quirnbach organisierte Informationsveranstaltung zur Windenergie statt.
Circa 550 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung ins Bürgerhaus Wirges.

Bereits vor Beginn versammelten sich circa 70 Personen zu einer von der Bürgerinitiative „Erhaltet unsere Natur und Wälder e. V.“ (BI) initiierten Mahnwache vor dem Veranstaltungsort. Unterstützt von der Naturschutzinitiative e. V. (NI) machten sie mit Plakaten und Bannern auf ihre Ablehnung gegenüber möglichen Windenergieanlagen aufmerksam.
Ab 17:30 Uhr konnten sich Interessierte an verschiedenen Informationsständen umfassend informieren. Vertreten waren die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz, das Schwerpunkt-Forstamt für Windenergie Rheinland-Pfalz, die Energieversorgung Mittelrhein AG (evm), die Bürgerinitiative, die Naturschutzinitiative sowie die beiden Verbandsgemeinden.

Pünktlich um 18:00 Uhr wurde die Veranstaltung durch die externe Moderatorin Carla Schönfelder vom team ewen aus Darmstadt eröffnet. In ihrer Einführung betonte sie das Ziel der Veranstaltung: eine sachliche Informationsgrundlage für die anstehenden Grundsatzentscheidungen der Ortsgemeinderäte zu schaffen und zugleich Transparenz über die Rahmenbedingungen und den Ablauf eines möglichen Windenergieprojektes für die Bürgerinnen und Bürger herzustellen.
Der Fachbereichsleiter Bauen, Klimaschutz und Immobilien der Verbandsgemeinde Wirges erläuterte die aktuelle Rechts- und Verfahrenslage. Eine Entscheidung für oder gegen das Projekt sei bislang ebenso wenig getroffen worden wie die Auswahl eines finalen Projektierers. Zunächst müssten die Ortsgemeinderäte eine Entscheidung für das Projekt treffen. Erst danach würden Vertragsverhandlungen geführt. Von einer möglichen Entscheidung bis zur Umsetzung sei mit einem Zeitraum von etwa vier bis fünf Jahren zu rechnen, da umfangreiche Prüf- und Genehmigungsverfahren zu durchlaufen seien.
Die Energieversorgung Mittelrhein AG stellte als potenzieller Projektierer erste Planungen vor. Vorgesehen sind sieben Windenergieanlagen der Sieben- bis Acht-Megawatt-Klasse mit einer Gesamthöhe von rund 270 Metern. Voraussetzung für eine Realisierung seien umfassende Gutachten und die Einhaltung sämtlicher gesetzlicher Vorgaben. Geprüft würden unter anderem Schall- und Schattenemissionen, artenschutzrechtliche Belange (insbesondere Avifauna und Fledermäuse), Aspekte des Fauna-Flora-Habitat-Gebietes sowie Anforderungen des Wasserschutzgebietes Zone III. Zudem wurden Visualisierungen präsentiert, die die mögliche Sichtbarkeit der Anlagen aus verschiedenen Perspektiven der betroffenen Ortsgemeinden darstellen.
Im Anschluss brachten sowohl die Bürgerinitiative als auch die Naturschutzinitiative ihre ablehnenden Positionen zum Ausdruck. Thematisiert wurden unter anderem mögliche Auswirkungen auf Natur, Artenvielfalt, Trinkwasserversorgung, Immobilienwerte sowie gesundheitliche Beeinträchtigungen für Mensch und Tier.
Zu guter Letzt berichtete das Schwerpunkt-Forstamt für Windenergie Rheinland-Pfalz aus Kastellaun über seine Erfahrung mit mehr als 300 Windenergieanlagen im Rhein-Hunsrück-Kreis. Aus forstlicher Sicht seien dort überwiegend positive Erfahrungen mit Windkraft im Wald gemacht worden.
In der sich anschließenden gut einstündigen Fragerunde nutzten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, Fragen an die Referierenden, die Energie- und Klimaschutzagentur und Vertreter der Ortsgemeinden zu richten. Trotz teils emotional geführter Wortmeldungen verlief die Diskussion überwiegend sachlich.
Zusammenfassend hielt die Moderatorin fest, dass die unterschiedlichen Positionen durch den Informationsabend sicher nicht aufgelöst werden können, dafür seien die Wahrnehmungen einfach zu verschieden. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen liegt nun bei den Ortsgemeinderäten der beteiligten Gemeinden. Über die weiteren Schritte werde die Öffentlichkeit fortlaufend informiert.
Final bedankte sich Bürgermeisterin Alexandra Marzi bei allen Referenten sowie bei den Anwesenden für das große Interesse am konstruktiven Diskurs zur Thematik.



